Polnisch : ein Kurzprofil -  Język  polski : krótki profil (*)

Hinweis: Ein ausführlicheres Profil ist der "Sprachensteckbrief" beim Österreichischen Bundesministerium Bildung, Wissenschaft und Forschung.

Eigene Bezeichnung

język polski = polnische Sprache; polszczyzna = Hochpolnisch (gutes, gepflegtes Polnisch).  Siehe  https://polszczyzna.pl/

Familie
Polnisch gehört zu den slawischen Sprachen, und zwar mit Tschechisch und Slowakisch zur Untergruppe der westslawischen.
Zu den ostslawischen (Russisch, Weißrussisch, Ukrainisch; kyrillische Schrift) sowie südslawischen Sprachen (Kroatisch, Serbisch, Slowenisch; lat. Schrift) bestehen etwas größere Unterschiede, aber gegenseitiges Verstehen ist teilweise noch gut möglich, z.B. mit den ukrainischen Nachbarn.
Nah verwandt sind Kaschubisch sowie Ober- und Niedersorbisch.
Polnisch steht mit ca. 50 Mio. Sprechern zwischen Russisch und Ukrainisch auf Platz 2 im slawischen Bereich.

Schrift  --> Kapitel Aussprache
Lateinische Buchstaben mit folgenden Sonderzeichen: ą ę ć ł ń ó ś ź ż ;  q, v und x kommen in polnischen Wörtern nicht vor.
Die Akzente haben nichts zu tun mit der Betonung, es handelt sich um Buchstaben mit anderer Aussprache.
Mit großem Anfangsbuchstaben geschrieben werden nur Namen.

Aussprache   --> Kapitel Aussprache
Die Konsonanten (außer j und l) haben, wie bei den anderen Slawen, zwei Varianten: hart und weich. Ein i hinter dem Konsonanten deutet an, daß er weich auszusprechen ist: als ob ein schwaches j folgen würde.
Mit Ausnahme des ł gibt es alle Laute mehr oder weniger auch im Deutschen, nur anders geschrieben.
Sehr zahlreich sind die Zischlaute:   c s z ć ś ź ż cz sz, die z.T. auch kombiniert auftreten:  szcz, ść , śc
Wie sich alles anhören soll, steht genauer beschrieben im Kapitel "Aussprache" mit vielen Beispielen zum Anhören.

Grammatik  -->  Kapitel Genitiv  und  Grammatik
Substantive kommen wie im Deutschen in drei "Geschlechtern" vor und müssen dekliniert werden, Adjektive und Pronomen auch.
Es gibt sieben Fälle mit jeweils Singular und Plural. Der Gebrauch der Fälle ist für uns z.T. wenig intuitiv und oft anders als im Deutschen.
Fast jedes Verb hat zwei Varianten: imperfektiv und perfektiv (unvollendeter bzw. vollendeter Aspekt). Meistens sind sie ähnlich, aber  man muß beide lernen - eine Regel gibt es nicht.
Die Konjugation ist in Präteritum und Futur geschlechtsspezifisch!

Wortbildung und Satzbau  --> Kapitel  Wort und Satz ,  EndungenKurzwörter 
Freizügige Wortbildungen durch Verkettung wie im Deutschen sind nicht möglich.
Es gibt zahlreiche charakteristische Endungen und Vorsilben.
Die Wortstellung im Satz ist recht flexibel, nicht streng schematisch wie z.B. S-P-O im Englischen.

Lehnwörter  --> Kapitel Migranten
gibt es in erstaunlicher Zahl aus dem Deutschen, die meisten aber aus früheren Zeiten. Mehr und mehr werden auch englische Wörter integriert. Generell werden Lehnwörter "polonisiert", d.h. der polnischen Aussprache entsprechend geschrieben und grammatisch behandelt - anders als im Deutschen, wo man die Schreibweise und die Aussprache (!) fremder Wörter nicht anpaßt, sondern nur bei Konjugation und Deklination deutsche Endungen anhängt.
Aus dem Russischen werden kaum noch Wörter übernommen und es hielt sich sowieso immer in Grenzen - aber sehr viele Wörter haben familienbedingt gemeinsame Wurzeln.

Migranten  (von Polen nach anderswo)
Polnisch sprechen Minderheiten in  in Belarus, Ukraina,  Slowakei und Tschechien.
Ferner aus historischen Gründen in Litauen (mehr als 6% der Bevölkerung)  und Rumänien, obwohl beide keine Slawen sind.
In Deutschland leben ca. 1.5 Mio. polnische Einwanderer, die meisten können noch polnisch.
In Skandinavien, Island, Irland, England (Polnisch größte fremde Muttersprache), Wales  und in den USA gibt es viele Migranten.

Exporte
Andere Sprachen, auch Deutsch, haben vergleichsweise nur in recht begrenztem Umfang Wortgut aus Polen importiert - wie auch aus anderen slawischen Sprachen.

Wandel  --> s.a. Kapitel Aussprache
Etwa seit der Renaissance ist das Polnische samt Aussprache und Orthographie weitaus stabiler als Deutsch und Englisch.
Es gab keine Rechtschreibreform und auch heute wäre das kein Thema.
Was nicht heißt, es gebe keine kreativen Wort-Neubildungen - ganz im Gegenteil! Sie sind nur immer unverkennbar polnisch.
Massenhaft Neologismen listet diese Webseite auf:  http://www.vasisdas.pl/


(*) angelehnt an Gaston Dorren: Babel - Around the world in 20 languages. 2018. Darin ein Kapitel über Russisch, über Polnisch leider nicht.
Für Hinweise, Korrekturen, Kritik -> B.Eversberg, ©2019